Tagebucheintrag – Tag 1 nach dem Schnitt
Heute Morgen bin ich aufgewacht und habe mich erstaunlich gefasst gefühlt.
Zu begreifen, dass es am Ende völlig egal ist, wie viel ich noch für dich empfinde, weil du diese Beziehung schlichtweg nicht mehr willst, hat eine seltsame Erleichterung in mir ausgelöst. Es fühlt sich an wie ein Stück wiedergewonnene Freiheit:
- Ich muss nicht mehr dauerhaft als emotionale Stütze fungieren, während von der anderen Seite nichts zurückkommt.
- Ich muss mich nicht mehr dafür aufreiben, Hingabe und Verständnis zu liefern, die im Nichts verpuffen.
- Ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, wer sonst noch in deiner Gedankenwelt existiert oder ob ich nur eine Option bin.
Es ist vorbei, und das ist die Realität.
Trotzdem sitze ich hier am Morgen und spüre das Bedürfnis, genau diese Prozesse für mich aufzuschreiben und festzuhalten. Denn bei aller Schwere bin ich mir sicher: Dieser Abstand tut uns beiden verdammt gut.
Ein Teil von mir ertappt sich natürlich immer noch bei dem Gedanken, wie es wäre, wenn man in ein paar Wochen ganz unvoreingenommen miteinander telefonieren könnte. Einfach, um zu sehen, wie man die Zeit verarbeitet hat, was man über sich selbst gelernt hat und wie ein Neuanfang auf Augenhöhe aussehen könnte.
Aber ich mache mir nichts vor – das ist reine Theorie. Deine Worte am Ende waren unmissverständlich: Du liebst mich nicht mehr, du willst mich nicht zurück und daran wird sich auch nichts ändern. Zu hören, wie endgültig du das formuliert hast, hat verdammt wehgetan. Es hat in mir eine Sicherheit und Hoffnung zerstört, von der ich geglaubt hatte, sie nie wieder verlieren zu müssen.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass wir beide viel früher und offener hätten sagen müssen, wo unsere Belastungsgrenzen liegen. Ich schließe dieses Kapitel jetzt nicht aus Wut, sondern aus Selbstachtung.